Über das Elend der islamischen Welt
Thursday, October 28th, 2010Wer wissen will, weshalb sich große Teile der “islamischen Welt” im Vergleich zum Rest der Welt am absteigenden Ast befinden, der sollte sich diese Meldung nicht entgehen lassen: Der für die künftige Entwicklung der Lehre an den Universitäten zuständige Abteilungsleiter im iranischen Erziehungsministerium, Abolfazl Hassani, hat angekündigt, dass die Lehrpläne etlicher sozial- und geisteswissenschaftlicher Fächer einer gründlichen Revision unterzogen werden sollen. “Bis zum Ende des Jahres, so wird Hassani zitiert, sollen die akademischen Lehrfächer ‘Recht, Menschenrechte, Frauenforschung, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Medienwissenschaft, Politische Wissenschaft, Philosophie, Psychologie, Erziehungswissenschaft’ sowie Fächer, die englisch etwas vage mit ‘Administration’ und deren kulturelle und künstlerische Untergliederungen (’cultural and artistic administration’) übersetzt werden, genauer auf ihre Inhalte und Ausrichtung überprüft werden.” Eingegriffen werden müsse, weil die in diesen Studienrichtungen gelehrten Inhalte nicht mit den religiösen Prinzipien der “Islamischen Republik” übereinstimmten, zu sehr an westlichem Gedankengut angelehnt seien und nicht auf “heimischen Ideen und Prinzipien” basierten. Damit folgt Hassani den Vorgaben des religiösen Führers der islamischen Diktatur, Ali Khamenei, der im letzten Jahr darauf hingewiesen habe, dass “die fraglichen Fächer zu Zweifeln an der Religion führen könnten, weswegen eine Änderung des Lehrplans ernsthaft in Betracht gezogen werden soll.” Nun ist nicht weiter überraschend, dass ein am Rande des Abgrunds stehendes Regime wie das iranische mittels rigider personeller wie inhaltlicher Säuberungswellen sein wegbröckelndes Fundament zu sichern sucht. Dass die westliche Wissenschaft aber mit dem Argument zurückgedrängt werden soll, sie widerspreche den religiösen Grundlagen des Islam, verweist auf ein tiefer gehendes Problem, das keineswegs auf das Terrorregime in Teheran beschränkt ist.