Atomares Wettrüsten

by Florian Markl
July 17th, 2009

Im gestrigen Standard widmete sich Gudrun Harrer wieder einmal dem iranischen Atomwaffenprogramm. Sie stellte dabei die Frage, ob die nuklearen Ambitionen des Regimes zu einem Rüstungswettlauf im Nahen Osten führen werden, und antwortete: “Es ist bereits Teil eines Ringens um Hegemonie - mit Israel. Um den Iran abzuschrecken, könnte Israel sich selbst als Atomwaffenstaat deklarieren, das würde wiederum die arabischen Länder innenpolitisch unter Druck setzen. Und diese fürchten ebenfalls eine mögliche iranische Atombewaffnung”.  In die gleiche Kerbe schlug das profil kurz vor den iranischen Präsidentschaftswahlen mit der Behauptung: “Selbst wenn der Iran die Bombe bauen wollte, wäre das nicht unverständlich.” Umgeben von Staaten, die über Atomwaffen verfügen, könnte das Regime nämlich fragen: “Warum sollte die Logik der gegenseitigen atomaren Abschreckung mit dem Ende des Kalten Kriegs ihre Gültigkeit verloren haben”? In beiden Beispielen wird die Mär aufgewärmt, das iranische Streben nach der Bombe habe etwas damit zu tun, dass u. a. Israel bereits über die ultimative Waffe verfüge, und wäre damit nur Ausdruck eines nachvollziehbaren Sicherheitsbedürfnisses.

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Barack Carter und Jimmy Obama in Teheran

by Florian Markl
July 14th, 2009

Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit Barack Obama seinen Amtseid abgelegt hat, und schön langsam kann man versuchen, sich jenseits all seiner “historischen Reden” (darunter macht er’s nicht) ein Bild von der Politik des 44. US-Präsidenten zu machen. Auf außenpolitischem Gebiet drängt sich dabei nicht nur Arthur Herman der Vergleich mit Nummer 39 auf, einem gewissen Jimmy Carter. Auch der wurde nämlich zu einer Zeit ins Amt gewählt, als das Image der Vereinigten Staaten weltweit als einigermaßen ramponiert galt, und von ihm könnte auch das Skript stammen, an das Obama sich bislang zu halten scheint: Die Sympathien der Welt könnten demnach nur mittels einer Politik zurückgewonnen werden, die die Feinde der USA und des Westens umgarnt, während sie gleichzeitig verbündete Staaten vor den Kopf stößt.

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Obamas 180er

by Florian Markl
July 1st, 2009

Wenn Russ Bray, der wohl bekannteste Schiedsrichter der Professional Darts Corporation,  mit seiner unverkennbar rauchigen Stimme “180!” ins Mikrofon brüllt, dann haben Fans des gepflegten Pfeilwurfspiels eine Spitzenleistung zu bejubeln: Drei Treffer ins Triplezwanzigfeld sind das Maximum, das mit drei Darts erreichbar ist. Auch in der Politik kennt man das Phänomen der 180er, doch anders als im Sport werden damit nur in Ausnahmefällen Topleistungen bezeichnet.

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Der ganz normale Irrsinn

by Florian Markl
June 8th, 2009

Wieder einmal keine Preisfrage: Wie lautet die Schlagzeile im Standard, wenn, wie heute früh geschehen, Palästinenser aus dem Gazastreifen einen israelischen Grenzposten mit Schusswaffen und Granaten attackieren und dabei einige der Angreifer in einem klaren Akt der Selbstverteidigung von der israelischen Armee erschossen werden? Lautet sie etwa: “Israelische Armee verhindert Terrorangriff aus dem Gazastreifen”? Aber nein, ich habe bloß gescherzt. Sie lautet  natürlich: “Fünf Palästinenser von israelischen Soldaten getötet“. So viel Ausgewogenheit muss schon sein.

Auftakt zur Strandsaison

by Florian Markl
May 8th, 2009

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Tel Aviv gibt es diesen Sommer am Wiener Donaukanal einen Tel Aviv Beach. Da konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass den österreichischen Hamas-Freunden die Zornesröte ins Gesicht steigt. Daher haben sie beschlossen, am gegenüberliegenden Kanalufer eine Gegenveranstaltung zu organisieren: Sie wollen einen Gaza-Beach-LKW aufstellen. Auf einer der einschlägigen Webseiten ist zu lesen: “Dort geht es freilich nicht so vergnüglich zu: Stacheldraht, Absperrungen, militärische Angriffe, Nahrungsmittel- und Energiemangel – kurz Gaza Beach ist ein Freiluftgefängnis. Ganz so wie im wirklichen Leben.”

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Gut, dass wir verglichen haben

by Florian Markl
May 7th, 2009

Manchmal stößt man auf Formulierungen, bei denen man sich vor Verwunderung nur die Augen reiben kann. Der Standard bot gestern so ein Beispiel. In einem Artikel über die kroatische Insel Goli Otok, auf der nach dem zweiten Weltkrieg politische Gefangene und später auch Kriminelle inhaftiert waren, ist doch tatsächlich der folgende Satz aus dem Munde eines Ex-Insassen zu lesen: “Es war kein Vernichtungslager, aber in puncto Menschenrechte war es schlimmer als Auschwitz.”

Give me a break!

by Florian Markl
April 14th, 2009

Seit der neue Mann im Weißen Haus die Macht übernommen hat, befinden sich große Teile der medialen Öffentlichkeit in einem Zustand, der irgendwo zwischen Heldenverehrung und Selbstinfantilisierung angesiedelt ist. Getreu dem alten Lied “Der Papa wird’s schon richten” brechen Jubel und Begeisterung aus, sobald Barack Obama (zu welchem Thema auch immer) das Wort ergreift und seine weitgehend nichts sagenden Plattitüden vom Stapel lässt. Jüngstes Beispiel: Nach mehreren Tagen wurde der amerikanische Kapitän der “Maersk Atlanta” aus den Händen somalischer Piraten befreit. Und wie das Amen in der Kirche folgt darauf die mediale Seligsprechung: “Piraten-Geisel macht Obama zum Helden”, titelt etwa der Standard. Der Präsident habe seine “erste Bewährungsprobe” bestanden, sei “unmittelbar in den Showdown einbezogen” gewesen und habe letztlich die “riskante Kommandoaktion” zu Befreiung der Geisel gebilligt. Bei so viel Heldenmut kann man schon ins Schwärmen geraten: “Nun gibt es kaum einen Kommentator in Washington, der den Präsidenten nicht lobt für seine bestandene Prüfung in Sachen Krisenmanagement.”

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Keine Chance für den Frieden?

by Florian Markl
March 16th, 2009

Möglicherweise wird der nächste israelische Außenminister Avigdor Lieberman heißen. Dass damit jemand eine wichtige Funktion übernehmen könnte, der nicht gerade als Vertreter von Peace Now gilt, sorgt für Aufregung. Die Europäische Union ist “besorgt” und Javier Solana richtet mahnende Worte an Israel. Zweierlei ist daran seltsam: Einerseits soll es auf palästinensischer Seite gerüchteweise schon öfter vorgekommen sein, dass wichtige Funktionsträger nicht zu den glühendsten Friedensfreunden gehörten. Das freilich stört die EU nicht, findet sie es doch beispielsweise ganz toll, dass die verfeindeten Gruppen Fatah und Hamas gerade wieder über die Bildung einer palästinensischen Einheitsregierung verhandeln. Wie die Jerusalem Post berichtet, stehen diese Gespräche knapp vor dem Scheitern, weil die Islamisten die an sie gestellten Forderungen (Anerkennung Israels sowie der bisherigen Abkommen) vollkommen unmöglich finden. Andererseits ist bemerkenswert, was im Falle Liebermans nicht zu hören ist. Das müsste im konkreten Fall ungefähr so klingen: “Frieden kann man eben nur mit seinen Feinden schließen. Die Einbindung Liebermans ist eine große Chance, weil die Übernahme von Regierungsverantwortung zu seiner Mäßigung führen wird. Seine weitere Ausgrenzung würde nur die moderaten Kräfte schwächen und den Extremisten Zulauf verschaffen. Man muss die Ergebnisse einer demokratischen Wahl eben auch akzeptieren, wenn man sich ein anderes Resultat erhofft hat.”

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Manchmal kann man sich nur wundern, …

by Florian Markl
March 9th, 2009

…worüber andere Menschen sich wundern können: Da gibt es einen deutschen Journalisten, der früher ganz sinnvolle Sachen geschrieben hat. Zugegeben, schon damals grenzten manche seiner Texte an leicht abwegige Verschwörungstheorien, aber mit den Jahren ist aus dieser kleinen Schrulle eine ausgewachsene Obsession geworden. Heutzutage sieht er sich von “Zionistenfreunden” verfolgt, wettert gegen die “Weltkriegsvorbereitungen” des “internationalen Finanzkapitals” und schreibt dagegen an: “Unsere Volksinitiative organisiert den Bruchs (sic!) mit der political correctness, den Widerstand gegen das internationale Finanzkapital und seine Kriegsbrandstifter in Washington, London und Jerusalem. Deshalb gehört uns die Zukunft” - und wundert sich allen Ernstes darüber, dass man ihn für einen Nazi hält. Wir lernen daraus: Nur weil einer die Kriegsbrandstifter des internationalen Finanzkapitals in Jerusalem am Werke sieht, muss es sich bei ihm nicht zwangsläufig um einen geistigen Enkel jenes großen Führers handeln, der das “internationale Finanzjudentum” einst vor der Vernichtung warnte, sollte es die “Völker noch einmal in einen Weltkrieg …  stürzen”. Er könnte nämlich auch einfach nur Jürgen Elsässer heißen.

Rebuilding Hamastan

by Florian Markl
March 3rd, 2009

In einem Interview im Standard nimmt Außenminister Michael Spindelegger Stellung zu den Ergebnissen jenes Treffens in Scharm el-Scheikh, das von Daniel Pipes völlig zu recht als “surreale Gaza-Wiederaufbaukonferenz” bezeichnet wird. Im Vorfeld hatten Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde, wie immer wenig bescheiden, wenn es um die Forderung nach finanziellen Geschenken geht, von über 2 Milliarden Dollar gesprochen, die für den “Wiederaufbau” Hamastans, von dem die Hamas auf wundersame Art und Weise nicht profitieren solle, gebraucht würden. “Darf’s ein bisserl mehr sein?” - nach diesem Motto, das man ansonsten nur beim Fleischhauer zu hören bekommt, einigten sich die anwesenden Delegationen darauf, mit in Aussicht gestellten 4.5 Milliarden Dollar die palästinensische Forderung mehr als zu verdoppeln.

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